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Nur gerechte Strukturen bringen die Menschen weiter!“

Matthias Gastel/MdB und Uwe Kekeritz/MdB (GRÜNE) besuchen den Kirchheimer Weltladen

Matthias Gastel, Bundestagskandidat für den Wahlkreis Nürtingen, und Uwe Kekeritz, Mitglied und Obmann im Bundestagsausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, nahmen gerne die Gelegenheit wahr, sich im Kirchheimer Weltladen über die dortige Arbeit zu informieren, andererseits aber auch über die aktuelle Situation der Entwicklungspolitik zu sprechen. Dabei machten die beiden Mitglieder der GRÜNEN-Bundestagsfraktion deutlich, wie und warum sich die Entwicklungspolitik der GRÜNEN deutlich von der früheren und derzeitigen Politik der Bundesregierung unterscheidet.

Songard Dohrn, Vorsitzende des Trägervereins des Kirchheimer Weltladens, begrüßte neben den beiden Gästen eine kleine Schar Interessierter und informierte kurz - aber sehr facettenreich - über die Entstehung und das Selbstverständnis des Weltladens in der Dettinger Straße, der seit 2003 auf eine erfolgreiche Entwicklung zurückblicken kann.

Matthias Gastel, selbst in Filderstadt mit seinem Regionalbüro in unmittelbarer Nähe zum dortigen Weltladen vertreten, verband mit seinem Dank für diese Gesprächsmöglichkeit auch den Hinweis auf die inhaltliche Nähe seiner Bundestagsarbeit bei wesentlichen weltpolitischen Themen wie den Ursachen und Auswirkungen der Flüchtlingsströme, den Klimawandel und seinen Auswirkungen auf die „Entwicklungsländer“ sowie die deutschen Rüstungsexporte, die nicht nur seines Erachtens einer deutlichen Reduzierung bedürfen. Immer wieder stünden diese Themen bei seinen Bürgersprechstunden im Vordergrund, auch wenn er selbst im Wesentlichen auf Verkehrsfragen spezialisiert sei.

Uwe Kekeritz, seit Jahrzehnten eng mit der Thematik u.a. als Praktiker beim Deutschen Entwicklungsdienst (DED) vertraut, sieht sich als Obmann im Bundestagsausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung täglich ganz nah an diesen Themen. Als Sprecher für Entwicklungspolitik der Bundestagsfraktion von B´90/Die GRÜNEN sieht er die bisherigen und derzeitigen Probleme in den genannten Bereichen als ein Versagen einer letztlich falschen, da nicht auf eine nachhaltige Entwicklung der Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika ausgerichteten Politik. Am Beispiel eines Bauern aus Burkina Faso/Westafrika machte er deutlich, wo in zahllosen ähnlichen, also auf andere Produkte übertragbaren, Fällen in der Realität „der Schuh drückt“: Wenn Milchpulver aus Deutschland als Exportgut unserer Landwirtschaft (zur Vermeidung von „Milchseen“) zu einem Drittel des Preises für Milch der Bauern dort vor Ort verkauft wird, ist nicht damit zu rechnen, dass afrikanische Bauern je von ihrer Hände Arbeit werden leben können. Dass diese, um überhaupt zu überleben, die Wanderung nach Europa antreten, sei daher nicht verwunderlich. Dieses einfache Beispiel, wie die Industriestaaten durch praktisch knebelnde, rücksichtslose Handelsverträge die bei uns gescholtenen „Wirtschaftsflüchtlinge“ selbst produzieren, können auf zahlreiche Produkte und Strukturen im Bereich der Handels-, Finanz- und Steuerpolitik übertragen werden. „Nur gerechte Strukturen bringen die Menschen – dort wie hier – weiter!“, so Uwe Kekeritz. Während jedoch der derzeitige Bundesentwicklungsminister Gerhard Müller/CSU einerseits öffentlichkeitswirksam schlimme Handelsstrukturen anprangert, werden andererseits mit seiner Zustimmung EPAs (European Partnership Agreements = europäische Handelsverträge) mit afrikanischen u.a. Ländern unterschrieben, die genau diese ungerechten Strukturen zementieren! Genauso verhält es sich, wenn Angela Merkel mit dem damaligen französischen Ministerpräsidenten ein Veto gegen die von der EU beabsichtigte Deckelung von Zahlungen aus dem EU-Agrarbudget einlegt, obgleich derzeit jeden Tag (!) 130 Mio. € Subventionen vor allem an Großunternehmen in der europäischen Landwirtschaft fließen! Würden derartige Subventionen stark reduziert, wirklich faire Handels-, Steuer- und Klimaabkommen mit den bislang benachteiligten Staaten geschlossen, würden sich mittel- und langfristig die Lebensbedingungen für Milliarden Menschen verbessern. Dieses Ziel einer nachhaltigen, fairen Entwicklungs- und letztlich Strukturpolitik ist Gegenstand des Eckpunkte-Papiers der GRÜNEN-Fraktion im Bundestag.

Songard Dohrn greift das Stichwort einer gerechten Entlohnung im Zusammenhang mit der Präsentation der Fairtrade-Produkte im Weltladen auf. Faire Löhne und angemessene Preise für die Produkte der Menschen aus Entwicklungsländer haben auch die Weltläden und die hinter ihnen stehenden Fair-trade-Handelsorganisationen als Zielsetzungen festgeschrieben. Mit dem Hinweis auf die Propagierung des „Fair-trade-town-Gedankens“, der Forderung nach einer verstärkten fairen öffentliche Beschaffung unter Berücksichtigung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen bei der Erstellung der bezogenen Produkte sowie auch der seit Jahren im Schulbereich durchgeführten Bewusstseinsbildung für nachhaltige Strukturen und Zusammenhänge rundet sie die Information über Produkte und Aktivitäten des Kirchheimer Weltladens und des Trägervereins ab. „Eine gelungene Veranstaltung zu dieser nicht alltäglichen Thematik“ war das einhellige Urteil der ZuhörerInnen.

Bericht von Jürgen Lewak

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