GERECHTIGKEIT UND KONSUM.
Zwanzig Prozent der Weltbevölkerung aus den nördlichen
Industriestaaten verbrauchen etwa 80 Prozent der weltweiten
Rohstoffe und Energie. Leid tragende sind häufig die Menschen
im Süden, deren natürliche Lebensgrundlagen durch diesen
enormen Konsum gefährdet werden. So werden auf guten
Böden vieler Entwicklungsländer Futtermittel für unsere Tiere
angebaut, anstelle von Nahrung für die dortige Bevölkerung.
Hunger durch Überfluss. Verschärft wird diese Entwicklung
durch fortdauernde ungerechte Welthandelsstrukturen wie
beispielsweise dem Absatz europäischer und nordamerika-
nischer Landwirtschaftsprodukte auf dem Weltmarkt zu
subventionierten Preisen (Dumping).
Die Dringlichkeit des weltweiten Übergangs zu einer für alle
sozialverträglichen und zukunftsfähigen Wirtschaft, in der
jeder Mensch jetzt und in Zukunft seine Grundbedürfnisse
befriedigen kann, wird von immer mehr gesellschaftlichen
Gruppen gesehen. Die weltweite Bewegung für fairen Handel
fördert derzeit 800 000 Bauernfamilien, die in 250 Koopera-
tiven zusammengeschlossen sind. Die Kooperativen müssen
politisch unabhängig und demokratisch organisiert sein.
Neben politischem Engagement kann der einzelne Verbrau-
cher - in der Großküche wie im Einzelhaushalt - schon heute
mit seinem Einstieg in den fairen Handel einen Beitrag zu
etwas mehr Gerechtigkeit in ungerechten Strukturen leisten.
Dies gilt insbesondere für Produkte wie Kaffee, Kakao und
Tee. Hier lohnt es sich, beim Kauf auf das “TransFair Siegel“
zu achten.
Die derzeitigen Lebensmittelpreise verraten auch etwas
darüber, welchen Stellenwert Nahrung in unserer Zivilisation
hat. Noch vor 30 Jahren betrug der Anteil des Einkommens,
der für Nahrung ausgegeben wurde 40%. Heute ist diese Zahl
auf 14% der Einkünfte geschrumpft. Eine Mehrausgabe für
bessere Lebensmittel kann durch sparsames Wirtschaften
(weniger, qualitativ besseres Fleisch, bessere Mengenplanung,
Resteverwertung, saisonaler Einkauf) teilweise ausgeglichen
werden.