Das Runde soll ins Eckige -
aber bitteschön fair
Impressionen von einem ungewöhnlichen Fußball-Turnier




"Ein Spiel dauert 90 Minuten" - von wegen. Wenn der Eine-Welt-Verein und sein Weltladen zum Fußball-Turnier in der Fußgängerzone einladen, dann reicht den 16 teilnehmenden Mannschaften manchmal auch schon ein Spiel von 10 Minuten, um gehörig aus der Puste zu kommen. Auch dann, wenn die Spielerinnen und Spieler mit einem Lederriemen an einer Stange angebunden werden und so gar nicht zwei Halbzeiten lang kreuz und quer übers Feld sprinten können. Der Begeisterung und dem Interesse der Zuschauer muss das keinesfalls abträglich sein...

"Human Table Soccer" - "menschliches Tischfußball" - nennt sich die Idee, mit der das Weltladen-Team an einem sonnigen Samstag Vormittag Anfang Mai die Menschen auf sich aufmerksam gemacht hat, die durch die Kirchheimer Innenstadt bummelten oder auf dem Wochenmarkt einkauften.

Schnell hatte das ungewöhnliche Turnier ein interessiertes Publikum gefunden.

Das lag möglicherweise auch an den Partien, die das Weltladen-Team für sein Fußball-Spektakel ausgelost hatte: Jung gegen Alt, Frauen gegen Männer, Pfarrer gegen Klosterfrauen, Franzosen gegen Deutsche, christdemokratische gegen grüne Gemeinderäte - die Zusammensetzung der Mannschaften war ebenso ungewöhnlich wie abwechslungsreich.

Und auch das Rahmenprogramm sorgte für interessante Unterhaltung: Wie werden Fußbälle genäht, unter welchen Bedingungen arbeiten die Männer und Frauen, die zum Beispiel in Pakistan die Fußbälle nähen, gegen die Beckham, Ballack und Co bei ihren Freistößen treten? Darüber informierten die Vorsitzende des Eine-Welt-Vereins, Ulrike Binder am Mikrofon und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Weltladens an Info-Ständen, die ebenfalls auf reges Interesse bei den Vorbeiflanierenden stießen. À propos Interesse - das fand auch das Angebot an die Spieler und Zuschauer, sich mit "legalem Doping" zu stärken: Bananen oder Fruchtsäfte - aus Fairem Handel, versteht sich. Rund 90 Bananen fanden so ihren Absatz.

Auch die Stadtoberhäupter ließen sich nicht lange bitten und kickten mit: Die Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker raffte kurzentschlossen ihren Rock, kletterte über die Bande aufs Fußballfeld und unterstützte ihre Rathaus-Mannschaft tatkräftig beim Spiel gegen ein deutsch-französisches Team mit Teilnehmern aus der Partnerstadt Rambouillet, die gerade zu Besuch waren. Auf der Gegenseite unter anderen:
Matt-Heideckers Amtskollege, der französische Oberbürgermeister Jean-Frédéric Poisson.

Mit ihrer Idee für das ungewöhnliche Fußball-Turnier machten Eine-Welt-Verein und Weltladen einmal mehr erfolgreich und sehr öffentlichkeitswirksam auf ihre Ziele und Anliegen - die Förderung und Unterstützung des Fairen Handels - aufmerksam.
Mit den sportlichen Meriten haperte es dagegen etwas: Das Eröffnungsspiel Weltladen-Team gegen eine Mannschaft der Kirchheimer "Bastion" endete, das sei hier nicht verschwiegen, 2 : 13 . . . !


Michael Kraft


Zu den Bildern:
Aktivitäten drumherum
Das Turnier
zurück