Produkte aus fairem Handel sind inzwischen auch bei Groß-
verbrauchern angekommen: Immer mehr Firmenkantinen,
Hotels, Tagungsstätten, Cafes oder Mensen schenken ihren
Gästen bewusst Kaffee, Tee, Kakao und Orangensaft aus fairem
Handel aus. Sie entscheiden sich nicht zuletzt wegen der hohen
Qualität für diese Produkte.
„Das alte Bild vom fairen Kaffee, nach dem er nur aus ideolo-
gischen Gründen getrunken wurde, stimmt längst nicht mehr“‚
betont Rainer Sakic vom gepa-Großverbraucher-Service.
„Unsere Kunden legen großen Wert auf Qualität, wenn die nicht
stimmt, würden sie unseren Kaffee nicht kaufen.“
Fairer Genuss
Bei einer Blindverkostung in der Kantine eines großen Strom-
konzerns im Februar 2002 schnitt der fair gehandelte gepa Kaffee
im Vergleich zu den anderen renommierten Kaffeemarken als
Bester ab. Immer mehr Kantinenleiter reagieren deshalb auf das
Interesse der Verbraucher, Genuss und Sozialverträglichkeit zu
verbinden. Denn Produkte aus fairem Handel tragen durch
garantierte Mindestpreise und direkte Handelsbeziehungen
dazu dabei, die Lebensbedingungen von Kleinbauern in
Entwicklungsländern zu verbessern. Der Preis für fair gehandelte
Produkte orientiert sich dabei an den Bedürfnissen und den
lokalen Bedingungen der Menschen. Für sie ist der Verfall der
Weltmarktpreise für Kaffee in den letzten Jahren ein harter
Schlag:
Die Kleinbauern erhalten für Arabica-Kaffee heute nur noch
ca. 0,56 Euro pro Pfund - damit liegt der Erlös in vielen Fällen
unter dem Existenzminimum. Der faire Handel garantiert den
Produzenten dagegen einen Mindestpreis, der zur Zeit mehr
als zweieinhalb mal so hoch ist wie der Weltmarktpreis.
Aber der höhere Preis ist nicht alles. Zum fairen Handel gehören
auch langfristige Verträge, damit die Handelspartner eine
verlässliche Planungsgrundlage haben und, wenn nötig, eine
Vorfinanzierung der Ernte, damit sich die Produzenten nicht
verschulden müssen. Außerdem unterstützt und berät der faire
Handel die kleinbäuerlichen Genossenschaften, zum Beispiel
bei der Umstellung auf ökologischen Anbau oder bei der Weiter-
entwicklung der Produktionsmethoden.
Pionier und Marktführer beim Import fair gehandelter Waren
aus Entwicklungsländern ist die „Gesellschaft zur Förderung
der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH“ (kurz: gepa), die
seit 1993 auch einen speziellen Großverbraucher-Service
eingerichtet hat.
Breites Sortiment...
Um den Kunden in Deutschland das Erkennen von fair gehan-
delten Produkten zu erleichtern, wurde 1992 der gemeinnützige
Verein „Trans fair“ gegründet. Er handelt nicht selbst mit Waren,
sondern vergibt ein Siegel an solche Importeure, die sich nach
den Kriterien des fairen Handels richten. Die Geschäftsstelle
verschickt jedoch Adressen von Händlern, die solche Produkte
auch in größeren Gebinden anbieten und hilft mit weiteren
Informationen und Beratung.
Mittlerweile gibt es über 100 mit diesem Siegel ausgezeichnete
Kaffeesorten und über 40 verschiedene Teesorten - da ist für
jeden Geschmack etwas dabei.
Auch das Sortiment an fair gehandelten Waren konnte in den
letzten Jahren nach und nach erweitert werden: Neben den
klassischen Falr-Trade-Produkten wie Kaffee, Tee und Kakao
gibt es heute auch Snacks, Fruchtriegel, getrocknete Früchte,
Nüsse, Gewürze, Reis, Quinoa und vieles mehr im Angebot.
Insgesamt wurden im Jahr 2001 in Deutschland Transfair-Waren
im Wert von 56 Millionen Euro gekauft. Das entspricht einer
Steigerung von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Mehr-
erlöse verbesserten konkret die Lebensverhältnisse von etwa
500.000 Bauernfamilien in über 30 Ländern Afrikas, Latein-
amerikas und Asiens.
Fairer Handel und ökologischer Anbau
Der faire Handel hat zunächst einmal einen anderen Hintergrund
als der ökologische Anbau. Die entsprechenden Siegel werden
auch unabhängig voneinander vergeben. Tatsache ist jedoch,
dass inzwischen 35 Prozent aller Transfair-Waren auch ein
Bio-Label tragen.
Kleinbauern, die der faire Handel fördern möchte, verzichten
meist auf den Einsatz von Agrochemikalien schlicht und einfach
deshalb, weil sie zu teuer sind. Im Kaffeeanbau werden
beispielsweise solche Sorten bevorzugt, die unempfindlich
gegenüber Schädlingsbefall und Krankheiten sind. In Mischkultur
mit Schattenbäumen, Obst und Gemüse gedeiht der Kaffee
optimal. Viele Produzentinnen und Produzenten des Südens
bauen traditionell biologisch an, können bisher aber keine
Zertifizierung aufweisen. Da der faire Handel vor allem die
Lebenssituation der benachteiligten Bauern verbessern möchte,
will man diese Produzentengruppen nicht ausschließen. Die
Entwicklung zeigt jedoch, dass der faire Handel und die ökolo-
gische Anbauweise immer mehr Hand in Hand gehen.