Vier Vierzehnjährige engagieren sich im Weltladen bei Projekt
“Fairer Handel macht Schule"
Wenn die Pflicht auch noch Spaß macht

Begeistert vom Thema Faire Bananen (von links):
Davide Macula, Vanessa Radonjic, Georg Wößner, Ines Cvorkov und ihre Betreuerin Songard Dohrn vom Eine-Welt-Verein.
Foto: Monika Kraft
“Fairer Handel macht Schule” - der Name ist Programm:
Bei uns im Weltladen, dem Fachgeschäft für Fairen Handel, das vom Eine-Welt-Verein getragen wird,
haben vier vierzehnjährige Achtklässler der Kirchheimer Freihof-Realschule ihr Praktikum
“Soziales Engagement” absolviert, das der neue Lehrplan vorschreibt.
Die Jugendlichen und auch ihre Betreuerinnen vom Eine-Welt-Verein
sind zum Abschluss des Projekts voll des gegenseitigen Lobes -
und begeistert von den Ergebnissen, die das Projekt hat.
Warum manche Bananen fairer sind als andere, das wissen
Davide Macula, Vanessa Radonjic, Georg Wößner und Ines Cvorkov jetzt ganz genau:
Es liegt an den Bedingungen, unter denen diese Früchte angebaut und gehandelt werden.
Und die Vier wissen mittlerweile auch, wie man diese Früchte an die Frau oder den Mann bringt.
Ein halbes Jahr lang haben die Schülerinnen und Schüler von der Freihof-Realschule regelmäßig
jeden Mittwoch Nachmittag im Weltladen in der Dettinger Straße mitgearbeitet,
haben die fair produzierten Bananen für den Weltladen selbständig bestellt, abgeholt und verkauft.
Im Vordergrund stand aber nicht nur der Verkauf der Bananen, sondern auch das Informieren darüber,
unter welchen Lebens- und Arbeitsbedingungen diese Früchte in Ecuador, Costa Rica oder der Karibik produziert werden und was “Fair” dabei bedeutet: einen gerecht bezahlten Anbau ohne Kinderarbeit und ohne
massenhaften Einsatz von Chemie, ein ökologisches Produzieren, das die natürlichen Ressourcen schont
wie auch die Gesundheit der Menschen, die die Bananen anbauen und ernten.
Es war eigentlich eine Pflichtveranstaltung, die die vierzehnjährigen Schüler zu ihrem Einsatz im Weltladen
gebracht hat: Das Praktikum “Soziales Engagement” ist seit diesem Schuljahr im Lehrplan für Realschulen
in Baden-Württemberg für die Achten Klassen verpflichtend. 20 Stunden müssen die Realschüler
in ihrer Freizeit für eine soziale Einrichtung oder einen Verein tätig sein,
im Unterricht wird dieser Einsatz vor- und nachbereitet und schließlich benotet.
Von Pflicht laut Lehrplan war beim Engagement der Realschüler im Weltladen allerdings wenig zu spüren.
Vom Spaß an der Arbeit schon eher: “Man musste die regelrecht überreden, um 18 Uhr Feierabend zu machen.
Die wollten gar nicht mehr aufhören”, erzählt Songard Dohrn vom Eine-Welt-Verein,
die das soziale Praktikum im Weltladen angestoßen und die Realschüler während ihrer Zeit dort zusammen mit
Adelheid Schmidts betreut hat. 20 Stunden Arbeit im Weltladen wären Pflicht für die Schülerinnen und Schüler
gewesen - rund 50 Stunden sind es schlussendlich geworden, schätzt Songard Dohrn.
Ein besonderes Erfolgserlebnis hatten die vier Mädchen und Jungen an einem Samstag Vormittag Anfang Mai:
Als der Eine-Welt-Verein in der Kirchheimer Fußgängerzone ein Fußball-Turnier veranstaltete,
bauten die Vierzehnjährigen einen Bananenstand am Rande des Spielfelds auf - und verkauften
innerhalb kurzer Zeit 90 Stück der krummen Früchte, ganz nach dem Motto:
“Bananendoping ist legales und faires Doping.”
Mit ihrem sozialen Projekt bei uns im Weltladen haben die Schüler nicht nur die Ziele des Fairen Handels unterstützt, sie haben auch selbstständiges, eigenverantwortliches Handeln gelernt.
Und sie haben ein ganzes Stück an Selbstbewusstsein gewonnen:
“Wir sind dadurch viel offener auf Menschen zugegangen”, sagt Vanessa Radonjic.
Die anderen Drei nicken beifällig, und Davide Macula ergänzt:
“Wenn mich jetzt jemand fragt, warum Faire Bananen teurer sind als die Bananen im Supermarkt,
dann kann ich ihm glatt einen halbstündigen Vortrag halten, warum das so ist.”
Michael Kraft